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16 BeiträgeFrage (Benny, 16 Jahre):
Meine Schwester spinnt total seit sie die Schminke entdeckt hat. Sie geht keinen einzigen Tag mehr ohne auf die Straße. Selbst am Baggersee trägt sie jetzt Make-up. Das nervt total. Ich habe gerade gestern zu ihr gesagt, dass sie bestimmt süchtig nach Schminke ist. Sie hat mich für verrückt erklärt. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass das so ist, denn sie trägt täglich mehr auf. Davor hat sie immer diese scheiß Markenklamotten angezogen. Das war in meinen Augen auch eine Sucht. Jetzt mach ich mir Sorgen. Was, wenn sie außer Schminke oder Klamotten wirklich harte Drogen entdeckt?
Antwort:
Du scheinst eine sehr experimentierfreudige Schwester zu haben. Ihr scheint kein Aufwand zu groß zu sein, um neue Erfahrungen zu machen. Wieso machst du dir Sorgen? Bislang hat sie sich ausprobiert und ist nirgends hängengeblieben. Ich glaube, sie sucht die Bandbreite des Lebens in sich und testet sich und ihre Wirkung auf ihre Umgebung. Das klingt für mich alles sehr normal.
Okay, sie hatte verschiedene Phasen mit unterschiedlichen Interessenlagen. Klar ist es so, dass man grundsätzlich nach allem und von allem süchtig werden kann. Aber der Weg von (deiner Meinung nach) zu viel Schminke und (Marken)-Klamotten zu "harten Drogen" geschieht nicht automatisch. Im Gegenteil, es ist erwiesen, dass gerade die Teenager, die viel experimentieren später seltener bei Drogen hängen bleiben, als diejenigen, die eher ängstlich und überkontrolliert aufwachsen.
Ich frage mich, warum du so auf deine Schwester und ihre vermeintlichen Macken schaust. Warum bist du ihr Aufpasser? Ich persönlich würde dir wünschen, dass du selber mehr auf dich schaust, für eigene Erfahrungen sorgst und mit deiner Schwester ab und zu einfach etwas zusammen unternimmst ohne sie zu reglementieren. Frage (Mareike, 17 Jahre):
Gibt es so etwas wie Beziehungssucht? Ich kann es nicht ertragen, ohne meinen Freund zu sein. Ihn nervt das total, weil ich mich so anklammere. Er wollte sich deshalb schon von mir trennen. Aber ich habe das Gefühl, ohne ihn nicht leben zu können.
Antwort:
Ich vermute, dein ganzes Selbstwertgefühl hängt davon ab, mit ihm zusammen zu sein bzw. überhaupt einen Partner zu haben. Dein Blickfeld und dein Interesse am Leben reduziert sich auf ihn und deine Stimmung hängt unmittelbar von seinem Verhalten ab. Wenn das so ist, dann benutzt du ihn, um dich aufzuwerten. Du hast schon recht: das ist eine Form von Beziehungssucht. Für viele Beziehungssüchtige bedeutet Liebe immer Leid, weil der Partner ihre ungelösten Probleme beseitigen soll: die Einsamkeit, die innere Leere, das Gefühl nie genug Liebe bekommen. Und das kann natürlich nicht funktionieren. Beziehungssüchtige haben oftmals das Gefühl, dass sie von ihren Eltern nicht genügend Anerkennung und Liebe erhalten haben. Der Partner soll das dann später auffüllen.
Dein Problem hat übrigens nichts mit dem Alter zu tun. Auch einige längst erwachsene oder ältere Menschen haben damit zu kämpfen.
Das suchtartige Verhalten zeigt sich auch daran, dass du meinst, dich so verhalten zu müssen, wie du vermutest, dass es ihm gefällt. Damit entfernst du dich immer weiter von dir selbst. Ich finde es richtig, wenn du mit anderen Menschen darüber sprichst, damit du dir über deine wirklichen Bedürfnisse und Wünsche klar wirst und auch darüber, was dir eigentlich fehlt. Sicher wäre es auch gut, wenn du dich regelmäßig mit anderen Menschen oder einer Sache beschäftigen würdest, die mit deiner Beziehung nichts zu tun haben. Was macht dein Leben lebenswert und was macht dir Freude, auch wenn du nicht mit deinem Freund zusammen bist? Wenn du das herausfindest, hast du auch den Weg zu deinem eigenen Selbstwertgefühl entdeckt. Frage (Kevin, 17 Jahre):
Schreiben Sie doch mal etwas über die Sexsucht. Ich wette, das ist nur eine Erfindung der Medien.
Antwort:
Schade, Kevin, diese Wette hast du verloren! In den Fachkliniken und in Beratungsstellen werden auch Leute behandelt, die mit anderen Menschen wie unter einem Zwang Sex haben. Ebenso wie bei anderen Abhängigkeiten ist das eigenen Verhalten außer Kontrolle geraten. Es geht dann nicht mehr um Genuß oder Liebe oder um eine freie Entscheidung.
Für die Betroffenen ist es leichter, Sex miteinander zu haben, als eine wirkliche persönliche Beziehung, in der man seine Wünsche und Träume aber auch Verletzlichkeiten preisgibt. Bei der Sexsucht geht es nie um den Menschen selbst, dem man begegnet, sondern nur um den Moment, in dem man mit ihm schläft. So paradox es klingen mag: der Sex wird benutzt, um sich den anderen auf Distanz zu halten. Sich wirklich innerlich zu öffnen, bedarf es des Vertrauens und des Willens, sich auch mit seinen zarten Seiten zu zeigen, die jeder hat und durch die jeder sich sehr verletzlich fühlt. In manchen Medien wird das Thema sensationsgierig übermittelt.
In der Realität ist die Sexsucht eine schwerwiegende Störung, die dem Betroffenen und auch seinen Angehörigen viele Schwierigkeiten bereitet. Das ganze Denken und Handeln kreist ausschließlich um "das eine". Die meisten Betroffenen leben in der Gefahr der Ansteckung mit Krankheiten wie Hepatitis, Aids oder Geschlechtskrankheiten, weil ihre Kontakte immer nur für den sehr kurzen Moment bestehen und im Laufe der Jahre eine sehr große Anzahl von SexualpartnerInnen zusammenkommen, die recht wahllos gesucht und genutzt werden. Sofern ein sexsüchtiger Mensch Prostituierte aufsucht, stellt sich irgendwann auch die Frage, wie die damit verbundenen Kosten aufgefangen werden. Einige Betroffene verschulden sich daher auch immens. Ohne eine Therapie läßt sich auch diese Sucht nicht beheben. Frage (Markus, 15 Jahre):
Seit 6 Monaten muss ich immer an ein Mädchen denken und wenn ich onaniere, denke ich nur noch sie. Ich mache das jeden Tag bestimmt ein paar mal. Bin ich jetzt sexsüchtig?
Antwort:
Willkommen unter den verliebten Menschen auf dieser Welt, Markus. Nein, ich glaube nicht, dass du sexsüchtig bist. Du bist heftig verliebt und entdeckst eine anregende und aufregende Gefühlswelt, die du natürlich so oft wie möglich wiederholen möchtest.
Sexsüchtig wärst du, wenn du nur noch an beliebigen Sex denken würdest, egal welcher Mensch gerade dein Gegenüber dafür wäre. Dann würde es dir nur um den kurzen Moment vom Sex gehen. Der andere Mensch wäre dir egal. Und du würdest dann hauptsächlich nach Plätzen und Gelegenheiten Ausschau halten, wo du Sex haben kannst.
Du bist verliebt und hast die Selbstbefriedigung für dich entdeckt. Das ist absolut normal. Mach dir da keine Sorgen. Hast du vor, das Mädchen näher kennenzulernen? Das kann zwar das Risiko beinhalten, eine Abfuhr zu erhalten oder zu merken, ihr passt doch nicht so gut zueinander. Aber es besteht hat ja auch die Chance, dass ihr zusammenkommt. Und dann wäre Selbstbefriedigung nur noch eine von mehreren Möglichkeiten, schöne Gefühle auszuleben. Frage (Jennie, 14 Jahre):
Bei meiner Freundin habe ich gesehen dass sie am Arm so viele rote Striche hat. Als ich sie fragte, was das ist, sagte sie nach langem hin und her, dass sie sich selber in den Arm ritze. Wenn es dann blute, sei es eine echte Erleichterung. Ich finde das total schräg! Aber sie meint, das sei wie eine Sucht. Ich kann mir das aber nicht vorstellen. Meine Güte: Was soll man da bloß da machen?"
Antwort:
Jennie, deine Freundin hat da ein echtes Problem! Der Hintergrund ist oftmals, dass die Leute das Wunsch haben, endlich überhaupt mal etwas zu spüren, wenn sie den Schmerz merken. Viele Menschen lernen recht früh, dass es vermeintlich besser ist, still zu sein, sich leise und angepasst zu verhalten. Aber Angst, Wut, Frust und innere Einsamkeit müssen ja einen Kanal nach außen finden, damit man nicht daran erstickt. Das Ritzen in die Arme oder Beine kann in der Tat wie eine Sucht sein. Die Leute schämen sich und hassen sich oft auch dafür. Aber das tiefe Bedürfnis endlich den Schmerz zu fühlen, sichert das Gefühl, dass man noch lebt! Dass man noch nicht tot ist. Dass man noch fühlen kann! Auch wenn man glaubt, nach außen wie ein Stein sein zu müssen, um nicht mehr verletzt zu werden.
Eine gute Internetadresse zum Informieren findet deine Freundin unter www.rotetraenen.de Aber versuch auch selbst mit ihr zu sprechen, dass sie in eine Beratungsstelle geht. Es gibt so viele Möglichkeiten zu fühlen, dass man lebt. Ich wünsche ihr sehr die Chance, sich Hilfe zu holen und andere Wege zum Fühlen zu finden.
Frage (Jasmin, 16 Jahre):
Als ich letztens spät nach hause kam, leuchtete mir meine Mutter doch mit einer Taschenlampe voll in die Augen. Sie meinte, damit könne sie sehen, ob ich Drogen genommen habe. Die spinnt ja wohl total!
Antwort:
Du hast ja eine echt engagierte Mutter, Jasmin. Ich vermute, sie hat irgendwo gehört oder gelesen, dass sich die Pupillen verändern je nachdem, welche Drogen man genommen hat.
Pupillen reagieren je nach Suchtmittel unterschiedlich auf Lichtreize: Bei Ecstasy bleiben sie stehen wie sie sind; nach Haschischkonsum werden sie sehr weit und ziehen sich auch dann nicht zusammen, wenn sie von starkem Licht geblendet werden. Du kannst dir vorstellen, dass diese Wirkung gerade nachts im Straßenverkehr ein großes Problem darstellen kann. Deine Empörung über deine Mutter kann ich gut verstehen. Wahrscheinlich hat sie Angst, was so läuft, wenn du unterwegs bist und sie versucht, dich so zu kontrollieren. Sag ihr, wie du solches Mißtrauen empfindest. Egal, wie das Ergebnis ihres speziellen Drogentestes ausfällt: ihr solltet miteinander reden statt sich auszutricksen oder zu überrumpeln. Frage, (Karsten, 15 Jahre):
Viele Jugendliche nehmen Haschisch, weil sie dadurch angeblich besser können oder sie nehmen andere Drogen wie Ecstasy oder Viagra. Man sollte diese Leute aufklären, dass Sex kein Leistungssport ist, sondern etwas ganz natürliches und wenn es eben mal nicht so toll war, macht das ja auch nichts, aller Anfang ist schwer.
Antwort:
Deine Freundin kann sich glücklich schätzen, einen Freund mit einer so tollen Einstellung zu haben! Alles was mit Lust und Liebe und Sex zu tun hat, braucht Zeit und Phantasie und auch Geduld mit sich selbst und dem Gegenüber. Leider setzen mache Leute sich selbst oder ihre Partnerin/ihren Partner enorm unter Druck. Fast so, als würde nur das "Ergebnis" zählen. Schade, denn Lust und Liebe hat nicht nur etwas mit Hormonen und Gelegenheiten zu tun, sondern ganz viel mit Nähe und einem Zusammengehörigkeitsgefühl im zwischenmenschlichen Bereich.
Manche versuchen mit Drogen beim Sex experimentieren, um zu sehen, ob sich unter diesem Einfluss etwas verändert. Manche versuchen, mit Drogen ihre "Leistung" zu steigern. Und andere haben aus unterschiedlichen Gründen Probleme mit dem Liebesleben und probieren, mit Medikamenten Abhilfe zu schaffen. Allerdings sollte man an die Nebenwirkungen denken, auch in der Hinsicht, dass es für einen Partner/eine Partnerin sicher nicht schmeichelhaft ankommt, wenn man unter Drogeneinfluß miteinander schläft. Das hat dann nichts mehr mit der Freundin/dem Freund zu tun, sondern es werden nur noch die Inhaltsstoffe der Drogen "abgearbeitet". Frage (Jennifer, 17 Jahre):
Manchmal habe ich das Gefühl ich könnte vor Wut platzen. In meinem Kopf dreht sich dann alles darum, wie ich mich an bestimmten Leuten, die mir das Leben zur Hölle machen, rächen könnte. Mein Freund meint, ich sei richtig rachsüchtig in manchen Situationen und er würde mich dann gar nicht wiedererkennen. Ist das wie eine richtige Sucht?
Antwort:
Oh ha, Jennifer, deine Wut und die ganzen Szenarien, die du dir dann ausdenkst, zeigen mir, dass du ein sehr gefühlvoller Mensch bist, der leidenschaftlich lebt und handelt. Alles, was passiert, löst in dir viele Gefühle aus und es entstehen in deinem Kopf Bilder und ganze Geschichten. Das finde ich klasse und ist ein Riesengewinn für dich! Ein Problem wird es erst, wenn du anderen Menschen, durch die Art wie sie dich behandeln, die Macht über deine Gedanken und Gefühle gibst. Wenn dich der Ärger über andere beherrscht und die meiste Energie auf Rachegedanken gerichtet ist, dann haben die dich echt in der Hand. Parallelen zu einer Sucht sehe ich erst dann, wenn deine Gedanken sich immer mehr auf diese Rachephantasien konzentrieren, deine Gefühle bestimmen und wenig Platz für andere Dinge lassen. Wie beim Tunnelblick ist der Rest ausgeblendet. Klar kann das Suchtcharakter haben, und dass diese Facetten für deinen Freund schaurig sind, kann ich mir gut vorstellen.
Gib anderen Leuten nicht so viel Macht über dich und gönn ihnen nicht den Erfolg, deine Lebensenergie zu verschwenden. Du bist die einzige, die bestimmen sollte, wer dich ärgern darf. Frage (Semra, 16 Jahre):
Meine Mutter hat letztens mein Zimmer durchsucht als ich weg war. Sie hat nach Drogen gesucht, das hat sie selber zugegeben als ich sie zur Rede stellte. Muß ich mir von meiner Mutter so etwas bieten lassen? Ich bin stinksauer!!"
Antwort:
Deine Mutter ist gesetzlich für dich Personensorgeberechtige. Das bedeutet u.a., klar darf sie dein Zimmer und deine Sachen durchsuchen. Verbieten kann ihr das niemand. Nur weil es erlaubt ist, heißt das natürlich nicht, dass es sinnvoll ist. Detektivarbeit bei den eigenen Kindern zu leisten, ist schon ein Armutszeugnis und zeigt entweder ihre Angst, ihre Hilflosigkeit oder ihren Willen, möglichst alles zu kontrollieren. Von einer vertrauensvollen Beziehung zwischen euch kann man da nicht sprechen.
Genau die wäre aber wichtig, wenn deine Mutter dir wirklich etwas Gutes tun wollte. Wenn du tatsächlich Drogen nimmst, wäre deine Mutter wahrscheinlich die letzte, die es erfahren würde, denn mit ihrem Verhalten zerstört sie jede Grundlage für Gespräche oder Hilfe. Versuch mit ihr zu sprechen, dass Vertrauen durch Detektivarbeit zerstört wird und sie so den Kontakt zu dir sicherlich verliert. Wirklich wichtige und intime Dinge bespricht man nur mit Menschen, von denen man weiß, sie schätzen und vertrauen einem. Frage (Sonja, 15 Jahre):
Meine Eltern sind geschieden und wir Kinder leben bei meiner Mutter. Meine 7jährige Schwester muss unseren Vater alle 2 Wochen besuchen. Sie erzählt mir oft, dass er so betrunken ist, dass er sich gar nicht um sie kümmern kann. Ich weigere mich einfach, meinen Vater zu besuchen, aber meine Schwester schafft das nicht. Meine Mutter will davon überhaupt nichts hören. Wie kann ich meiner Schwester helfen?
Antwort:
Ich vermute, deine Schwester hat Mitleid mit eurem Vater, weil er sonst allein wäre und niemanden hat. Kinder fühlen sich sehr häufig für ihre Eltern verantwortlich, vor allem, wenn die Kinder sie als schwach und verletzlich erleben. Der Weg, den du eingeschlagen ist, erscheint mir richtig zu sein, denn du hörst auf das was du fühlst und handelst danach. Schade, dass deine Mutter dafür kein Ohr hat! Mein Vorschlag ist, dass du dich an das Jugendamt in deiner Stadt wendest und mit einer Sozialarbeiterin darüber sprichst. Vielleicht weißt du auch noch, wer für euch zuständig ist, aus der Zeit der Scheidung deiner Eltern. Es ist nicht in Ordnung, wenn ein Elternteil betrunken ist, wenn es in der Zeit für Kinder verantwortlich ist!
Das Jugendamt wird deinen Eltern das vermitteln können! Eine Lösung könnte sein, dass deine Schwester und dein Vater sich nicht mehr das ganze Wochenende sehen, wenn er es nicht schafft, so lange nüchtern zu sein, sondern nur ein paar Stunden. Es gibt sicher noch andere Lösungen, aber die könnt ihr am besten finden und ausprobieren, wenn ihr mit der Sozialarbeiterin im Jugendamt darüber sprecht. Frage (Emmy, 14 Jahre):
Meine Mutter sagt oft, ich sei zu dick. Und sie will kein dickes Kind. Sie sagt dann, so habe sie sich das nicht mit mir vorgestellt. Ich glaube, ich enttäusche sie.
Antwort:
Ich wette, nach solchen Bemerkungen denkst du manchmal, dass du dir eine Mutter auch anders gewünscht hättest. Es gebe sicher viele Möglichkeiten zu kontern, denn kein Mensch ist perfekt (und auch deine Mutter nicht), sondern hat eine Schwachstelle, mit der man zurück schießen könnte. Aber gegenseitige Abwertungen ziehen dich selbst mit runter.
Lass dich nicht unterkriegen, Emmy! Du bist wie du bist! Einfach so! Es ist ein Zeichen vom Erwachsensein, dass man Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit aushält und nicht andere dafür verantwortlich macht, wenn die eigene Fantasie nicht erfüllt wird. Ich wünsche dir und deiner Mutter, dass auch deine Mutter über das Erwachsensein noch mal nachdenkt! Und dir wünsche ich, dass du dich von enttäuschenden Erfahrungen nie unterkriegen läßt.
Klar: es ist besonders hart, wenn die eigene Mutter so enttäuscht. Der Vorteil ist, dass du dich von ihr aber auch abgrenzen kannst. Sie weiß nicht alles! Sie ist ein Mensch, der auch Schwächen hat (sonst hätte sie es nicht nötig, so etwas zu denken und zu sagen). Und bist du schon weiter als andere, denn du bist auf dem Weg, abwertende Bemerkungen zu hinterfragen und du kannst dich von ihnen unabhängig zu machen. Frage (Mario, 17 Jahre):
Meine Freundin hat letztens zu mir gesagt, ich sei ein echter Info-Junkie geworden. Okay, ich rufe oft meine Nachrichten von der mailbox ab und schaue im Internet ob ich Post habe. Aber Junkie ist doch wohl ein bisschen zu viel gesagt, oder?
Antwort:
Ich nehme an, deiner Freundin geht auf es gehörig auf die Nerven, wenn du dauernd am Handy hängst und nach Nachrichten guckst. Vielleicht hat sie den Eindruck, dich interessieren Nachrichten von anderen Leuten mehr als die Zeit, die ihr miteinander verbringt.
Frag dich mal, wie du dich fühlen würdest, wenn du ein oder zwei Tage keine Nachrichten abhören würdest. Oder wenn du gar dein Handy abschalten und den PC nicht hochfahren würdest. Wärst du unruhig? Hättest du das Gefühl, etwas zu verpassen oder würdest du dich allein und isoliert fühlen? Probier es aus und mache einen Selbstversuch, dann hast du ziemlich schnell heraus ob deine Stimmung und dein Lebensgefühl vom Handy und der Mailbox abhängen.
"Datenfasten" nennt man das ganze. Kein leichtes Unterfangen für den ein oder anderen. Übrigens sagen manche Fachleute, dieses ständiges Bedürfnis erreichbar sein zu wollen, habe damit zu tun, dass Leute nicht richtig erwachsen werden (wollen). Erwachsen sein bedeutet auch, zu akzeptieren, dass der Mensch letztendlich allein ist. Und Handys lassen einem die Illusion, dass man nie richtig auf sich allein gestellt ist. Was Kindern ihr Schmusetuch ist, an dem sie sich festhalten, ist so manchem Jugendlichen und Erwachsenen sein Handy. Frage (Samira, 15 Jahre):
Meine Schwester ist in letzter Zeit dauernd am Chatten. Sie sagt, das Geniale daran sei, dass wirklich immer jemand dort ist, mit dem sie reden kann. So langsam stinkt mir das Ganze. Und ich will nicht, dass sie von diesen Chatträumen "aufgefressen" wird.
Antwort:
Das Tolle am Chatten ist für viele, dass man dort mit seinen Identitäten spielen kann. Jeder kann alles über sich erzählen oder sich einfach immer wieder neu erfinden. Mal gibt man sich als Mann oder als Mädchen aus, man kann sagen was man will, es kann ja keiner überprüfen. Und zu jeder Tages- und Nachtzeit findet man Leute, die online sind. Es gibt zigtausende von Menschen, die Beziehungen über das Cyberspace leben. Das sind nicht immer kontaktarme "Problemfälle" und alle wissen durchaus den Unterschied zwischen realen und virtuellen Kontakten.
Deine Schwester scheint dort im Chatt etwas zu finden, das sie vermisst oder das ihren Spieltrieb geweckt hat. Und wenn einem etwas gut gefällt, wiederholt man es natürlich immer wieder. Versuch mit deiner Schwester im Kontakt zu bleiben: man kann auch zu zweit oder zu mehren chatten, dabei zusammen Spaß haben und hinterher noch etwas anderes unternehmen, wenn man den PC nach einer Weile ausschaltet. Du könntest auch mal mit deinen Eltern darüber sprechen, wenn du dir Sorgen um deine Schwester machst. Dann fände ich klasse, wenn deine Eltern das Chatten nicht einfach verbieten, sondern sich die Zeit nehmen, sich von ihr erklären zu lassen, was deine Schwester daran so fasziniert. Frage (Torben, 16 Jahre):
In den Zeitschriften liest man so viel über Drogenkranke und Essstörungen und was weiß ich noch alles!! Ich kann nur sagen, die sollen sich doch alle nicht so anstellen. Sind doch selber Schuld und Mitleid habe ich sicher nicht mit denen. Die müssen eben lernen, sich zusammenzureißen oder die sollen doch zum Psychiater gehen!
Antwort:
Auf der einen Seite hast du recht: verantwortlich ist jeder selbst für sich. Auf der anderen Seite bestehen solche Probleme wie Suchterkrankungen und auch Essstörungen aus sehr komplexen Zusammenhängen, über die ich hier schon öfters geschrieben habe.
Was du unterschlägst ist, dass wir alle nur Menschen sind mit Stärken und Schwächen. Ich finde es aber interessant, dass du so besonders hart und unnachgiebig in deinen Ansichten bist. Manchmal sprechen Menschen überkritisch über andere, weil sie selber in einem bestimmten Bereich Schwächen haben und davon ablenken wollen. Damit nur ja niemand auf die Idee kommen könnte, man wäre selbst betroffen. Sich in andere Menschen hineinzuversetzen zu können, ist eine wichtige soziale Kompetenz von uns Menschen. Aber das können und wollen nur Menschen, die ausreichend eigenes Selbstbewusstsein haben. Frage (Sven, 19 Jahre):
Vor kurzem habe ich eine Sendung von Barbara Salesch gesehen, in der ein junger Typ ein Mädchen mit der Droge "Screw Drew" vollgepumpt hat. Sie wurde dann willenlos von mehreren Männern gleichzeitig genommen, und sie wollte immer mehr. Gibt es diese Droge tatsächlich? Und wie kommt man an so etwas ran?
Antwort:
Mir scheint, du bist ein Freund von Masse statt Klasse. Kann das sein? Eine Droge namens "Screw Drew" existiert nach meinen Recherchen nicht. Der alte Traum, die Kontrolle über andere Menschen zu bekommen, wenn auch nur im sexuellen Bereich, ist nach wie vor ein tiefer Wunsch vieler Menschen.
Dennoch finde ich es erstaunlich, dass der uralte Mythos der "Spanischen Fliege" nicht totzukriegen ist. Seit Menschengedenken suchen Leute nach Drogen, die genau das, was du beschreibst, auslösen. Ein garantiertes Rezept hat bislang noch niemand gefunden, obwohl bestimmten Drogen und auch Lebensmitteln immer wieder solche Eigenschaften zugeschrieben werden und in speziellen Geschäften von hoffnungsvollen Träumern gekauft werden. Der "Klassiker" unter den Aphrodisiaka ist der Alkohol: Jungen und Männer nutzen ihn gern als Angstlöser und Mädchen und Frauen gebrauchen ihn als Ausrede, wenn sie alle Bedenken über Bord werfen und ihre Sexualität ausleben wollen. Es ist dann "einfach so passiert, weil ich so betrunken war." Offen bleibt allerdings für jeden die Frage, ob so ein Stil das ist, was einen wirklich zufrieden und glücklich macht. Frage (Harald, 17 Jahr):
Vor ein paar Tagen habe ich einen Kumpel von mir in der Stadt getroffen. Er war so aufgekratzt: Er redete ganz viel, legte seinen Arm um mich, drückte mich, erzählte mir irgendwelche Geschichten, wo er noch hinwollte. Der Freundin, die bei mir war, kraulte er dauernd im Nacken. Dabei kennt er sie gar nicht so gut. Die war auch ganz baff deswegen. Ich habe ihn gar nicht wiedererkannt: Kann es sein, dass er was eingeworfen hatte? Zutrauen würde ich ihm das.
Antwort:
Vielleicht war er einfach glücklich und hatte gerade ein superschönes Erlebnis, das ihn euphorisch gemacht hat. Das soll es ja auch noch geben. Was du über ihn berichtest, klingt nach großem Mitteilungsbedürfnis und gesteigertem Selbstvertrauen. Dafür kann es so viele Gründe geben. Deine Beobachtung könnte ansonsten dafür sprechen, dass er Speed oder Kokain genommen hat. Beide Stoffe sind in ihren Auswirkungen ähnlich und können solche Reaktionen wie bei deinem Freund auslösen. Dennoch: eine Ferndiagnose wäre unseriös.
Ich schlage vor, du fragst ihn einfach das nächste Mal, wenn du ihn siehst, was mit ihm los war und sagst, dass du und deine Freundin über ihn überrascht ward. Möglicherweise gibt`s eine einfache Erklärung für sein Verhalten. Und deine Neugier, was eigentlich los ist, kann dann auch von ihm gestillt werden. Egal, ob er was genommen hat oder nicht: frag ihn direkt! Ich finde, er hat verdient, selbst etwas dazu zu sagen, ohne dass irgendwelche Gerüchte oder Fantasien über ihn beginnen zu kursieren |
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