Frage (Carina, 12 Jahre):
In unserer Klasse gilt es als absolut cool, wenn man raucht. Ich hab jetzt sogar ein paar Jungs behaupten hören, sie seien süchtig nach Nikotin, obwohl die mit Sicherheit noch nie 'ne Zigarette im Mund hatten. Und dann müssen die es sich gegenseitig beweisen, indem sie alle Lungenzüge machen. Ich seh denen doch im Gesicht an, dass die das Husten unterdrücken. Ich find das echt scheiße. Kann denn diese beschissene Angeberei nicht auch süchtig machen? Warum denken alle`, es wär so cool, zu rauchen?
Antwort:
Klar können diese Spielchen zur Nikotin-Abhängigkeit führen, Carina, das ist in meinen Augen eine klassische Situation, mit dem Rauchen anzufangen. Rauchen zählt nach wie vor zu einer beliebten Möglichkeit, sich interessanter, cooler, erwachsener zu fühlen oder sich einfach von der Masse abheben zu wollen. Da hat die Werbung mit dem Cowboy ganze Arbeit geleistet.
Und ich sehe mit Schrecken auf Plakaten brennende Stoffkamele aus dem Fenster springen. Dass damit gerade Kinder und Jugendliche angesprochen werden, brauche ich dir sicherlich nicht zu erklären. Das Image, das uns durch diese scheinbar anderen Menschen und witzigen Situationen vermittelt wird, mag gerade für Jugendliche besonders erstrebenswert sein. Denn die Pubertät gilt als Phase der Abgrenzung von den Erwachsenen.
Egal, ob diese selbst rauchen oder nicht: Entscheidend ist, dass sich fast alle Erwachsenen gegen das Rauchen in jungen Jahren aussprechen. Wenn dann die Werbung vermittelt, dass es allein durch eine Zigarette in der Hand möglich ist, sich von allem "Normalen" und "Moralisierenden" abzuheben, ist es eine große Versuchung für Jugendliche in deinem Alter, genau das zu tun. Das ist Teil des "Abnabelungsprozesses", der leider in die falsche Richtung führt. Aber offensichtlich hast du einen besseren Weg gefunden, dich als Individuum in unserer Gesellschaft zu fühlen. Solch ein Stadium erreichen viele Menschen noch nicht einmal mit der Volljährigkeit. Frage (Kornelius, 16 Jahre):
Diät mit Zigaretten: ich kenne ein paar Frauen, die das praktizieren. Und die scheinen sogar damit Erfolg zu haben. Manchmal denke ich, okay, dann rauche ich eben statt dick zu sein.
Antwort:
Von dieser Art "Diät" habe ich auch schon öfters gehört. Manche Menschen überstehen den Tag fast ausschließlich mit Kaffee und Nikotin statt mit Essen. Zu allen Zeiten haben Menschen versucht, ihr natürliches Hungergefühl mit anderen Stoffen als mit Nahrung zu beruhigen.
In Berichten aus dem 16. Jahrhundert wird bereits darüber erzählt, dass in Südamerika die Inkas Coca-Blätter kauten, um Hungergefühle zu unterdrücken. Gerade bei den Ärmsten war dieses Mittel sehr beliebt. In der Nachkriegszeit wurde das Rauchen genutzt, um den Hunger auszuschalten. Schon Kinder und Jugendliche waren auf der Suche nach Kippen, um sie aufzurauchen.
Deine Beobachtung von heute hat damit zu tun, dass das Hauptproblem der Menschen nicht mehr körperlicher Hunger ist, sondern seelischer Hunger nach Anerkennung, Zugehörigkeit und dem Wunsch "trendy" zu sein. Aber keinen Hunger kann man letztendlich mit etwas befriedigen, das nicht das wirkliche Bedürfnis stillt. Essen aus Langeweile, Rauchen für die "schlanke Linie", Alkohol trinken um lustig zu sein: all das funktioniert nur oberflächlich. Gesund leben heißt nichts anderes, als das echte Bedürfnis zu fühlen und das zu tun, was man wirklich braucht. Mit allem anderen lügt man sich selber etwas in die Tasche und schafft sich eher neue Probleme. Frage (Lukas, 15 Jahre):
Mein Vater raucht schon seit vielen Jahren. Wenn wir darüber reden, sagt er, wenn er wollte, könnte er jederzeit damit aufhören. Ich glaube ja, der lügt sich selber etwas in die Tasche.
Antwort:
Eine gute Methode um genau das festzustellen, ist die sogenannte "6-Wochen-Methode". Anwenden kann die jeder und jederzeit und sie passt nicht nur fürs Rauchen, sondern auch für Haschisch, Alkohol, Glücksspiel und alle anderen Dinge. Man vereinbart, genau 6 Wochen z.B. auf das Rauchen zu verzichten, nicht mehr und nicht weniger. In dieser Zeit merkt man sehr genau, wie stark man sich daran gewöhnt hat und wie viel es einem bedeutet.
Dieses eigene Austesten empfehlen auch viele Beratungsstellen, wenn einem selber nicht klar ist, wie stark man schon Suchtverhalten entwickelt hat. Manche Menschen stellen während dieser 6 Wochen fest, dass sie nach dieser Zeit auch gut ganz auf den Konsum verzichten können. Andere reduzieren den Konsum und wieder andere merken, dass sie ein ernsthaftes Suchtproblem haben. Und genau mit diesem eigenen Ergebnis kann man dann entscheiden, was man wirklich auf Dauer möchte und sich evtl. entsprechend weiter beraten lassen. Du kannst deinem Vater diese Methode ja mal vorschlagen. Vielleicht ist er selber ja neugierig, was dabei herauskommt... |