19 BeiträgeFrage (Thekla, 18 Jahre):
In einem Film habe ich gesehen, wie ein Fixer die Nadel der Spritze abgeleckt hat, bevor er sich einen Schuss gesetzt hat. Was soll das bezwecken?
Antwort:
Bei manchen ist das ein Ausdruck von Vorfreude auf den Genuss des "Schusses". Manche Abhängige geben aber auch untereinander die gebrauchten Spritzen weiter. Das Ablecken der Nadel soll dann die Nadel säubern. Das geht selbstverständlich nicht wirklich, denn die Krankheitserreger wie Hepatitis oder HIV können über den Speichel und die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Verschmutzte Spritzen können für den Nutzer so ein echtes Problem werden.
Übrigens ist das einer der Gründe, warum in Drogenberatungsstellen auch Spritzen getauscht werden können. Nicht um den Konsum zu unterstützen, sondern um den Konsum, den man in dem Moment nicht verhindern kann, risikoärmer zu machen.
Frage (Maik, 18 Jahre):
Im Fernsehen kam mal ein Bericht über einen Hund, der sein Fell verliert, weil er immer von sich aus am Auspuff des Autos seines Besitzers die Abgase einatmet und dann für mehrere Minuten bewusstlos ist. Ist das auch Sucht? Können Tiere auch süchtig werden?
Antwort:
Die Sendung hört sich interessant an, Maik. Tiere haben wie wir Gefühle und sind ebenso verletzlich. Es gibt in Forschungsanstalten Versuchsreihen, in denen z.B. Ratten, Mäuse und Katzen von Wissenschaftlern über einen längeren Zeitraum systematisch Stress und hohen Frustrationen ausgesetzt werden. Manche Tiere werden sozial isoliert, andere mit vielen Artgenossen in zu kleinen Käfigen gehalten und einige setzt man elektrischen Fußschocks aus. Wenn den Tieren dann Wasser und gleichzeitig z.B. ein Wasser-Alkoholgemisch angeboten wird, entscheiden sich die schwächeren Tiere häufig für den Alkohol, obwohl Tiere ohne diese Stressoren immer das reine Wasser gewählt haben.
Wie bei Menschen, dient der Alkohol dazu, die Angst zu dämpfen und schlechte Gefühle zu unterdrücken. Menschen und Tiere sind sich sehr ähnlich in ihren Reaktionen, wenn sie frustriert oder deprimiert sind. Die Experimente sind in diesem Bereich sehr vielfältig und werden auch mit Heroin und Marihuana durchgeführt und zeigen ähnliche Ergebnisse.
Zu deinem Fall mit dem Hund: Ich kann mir keinen gesunden Hund vorstellen, der ohne die o.g. Faktoren ein Verhalten, wie du es beschrieben hast, aufweist. Ich nehme an, jemand hat ihn dahingehend dressiert oder der Hund hat schlimme Erfahrungen gemacht und hat enorme seelische Schmerzen, die ihn zu so einem Verhalten drängen. Meiner Meinung nach deutet es auf eine Sucht hin, ähnlich wie bei Schnüffelstoffen, die ebenfalls betäubend wirken. Aber warum sollten für Tiere auch andere Gesetze gelten als für Menschen? Frage (Jan, 17 Jahre):
Ich habe öfters von dem Begriff "sneefen" gehört. Den Zusammenhang weiß ich aber nicht genau. Was meint man damit?
Antwort:
Der Begriff stammt aus dem Kokainkonsum. Das Kokain wird dabei so klein wie möglich gehackt und dann mit einem Röhrchen durch die Nase gezogen. Die Experten unter den Koksern wissen, je gröber die Kristalle sind, desto leichter werden in die Gefäße in der Nasenschleimhaut verletzt. Die Wirkung des Kokains tritt innerhalb von 2 bis 3 Minuten ein.
Manche Kokser gehen davon aus, dass diese Konsumform risikoarm ist, weil kein direkter Blut-zu-Blut-Kontakt entsteht und damit das Infektionsrisiko geringer wäre. Fakt ist dennoch, dass auf jeden eine Reizung der Nasenschleimheit entstehen kann, die (bei häufigerem sneefen) auch chronisch werden könnte. Deshalb sollten auch keine Röhrchen getauscht oder gemeinsam benutzt werden. Die Infektionsgefahr ist nicht ohne. Vorsicht auch bei entstehender Licht- oder Geräuschempfindlichkeit: das sind schon Anzeichen für eine Überdosierung nach längerem Kokainkonsum oder bei einmaligen zu hohen Dosen. Frage (Pete, 18 Jahre):
In der letzten Ausgabe wurde von MPU gesprochen. Was wird da gemacht und wer bestimmt, ob man besteht?
Antwort:
Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung dient der Führerscheinstelle als Gutachten, ob jemand körperlich und seelisch geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen. Eine solche Untersuchung dauert meist einen ganzen Tag. Geprüft werden z.B. der allgemeine Gesundheitszustand, die Reaktionsfähigkeit, die Belastbarkeit, und mit Urin- und Blutuntersuchungen wird ein möglicher Alkohol- und Drogenkonsum untersucht.
Die psychologische Untersuchung erfolgt durch Gespräche mit einem Psychologen, der dann auch über Bestehen oder Durchfallen entscheidet. Im Gespräch geht es um Fragen des Lebenslaufes, finanzielle Verhältnisse, Konsumgewohnheiten von Alkohol und anderen Drogen, u.v.m. Eine zentrale Frage ist dabei, wie der, der seinen Führerscheinschein wiederhaben möchte, seine Situation betrachtet und welche Lehren er aus seinem Verhalten im Straßenverkehr gezogen hat.
Ganz schlecht ist es, wenn dann z.B. jemand berichtet, er habe eben einfach Pech gehabt, dass er erwischt wurde oder dass eigentlich andere Leute daran Schuld sind. Schlecht ist es auch zu sagen, dass man Leute kennt, die noch viel Schlimmeres gemacht haben. Wer so etwas behauptet, zeigt, dass er sich mit seiner Situation und Verantwortung nicht richtig auseinandergesetzt hat. Die Durchfallquote bei einer ersten MPU z.B. wegen einer Alkoholfahrt beträgt ca. 70%.
Es gibt auch spezielle Bücher und vor allem Kurse, mit denen man sich auf eine MPU vorbereiten sollte. Die kostengünstigste Möglichkeit, sich vorzubereiten ist ein Kurs in einer Beratungsstelle. Wer glaubt, dass sein Gutachter ihn völlig schräg beurteilt hat, kann ein Obergutachten beantragen. Die Erfolgsaussichten sind aber eher gering. Einen neuen Versuch zur MPU kann man frühestens 6 Monate später starten. Frage (Wulf, 14 Jahre):
Meine Tante erzählte letztens mal wieder von "früher". Sie meinte, damals hätte man die Leute noch richtig über Drogen aufgeklärt, man zeigte Filme über Raucherlungen, amputierte Raucherbeine und Drogis, die entzündete Arme hatten und auf Bahnhofklos rumhingen. Ich finde auch, das schreckt so richtig ab! Könnt ihr nicht mal in unsere Schule kommen und solche Filme zeigen?
Antwort:
Nein, Wulf, ich jedenfalls nicht! Ich bin nämlich davon überzeugt, dass es mehr die Sensationslust und das Gruseln ist, was die Leute sich davon versprechen als wirklich etwas lernen zu wollen.
Es lenkt auch so schön von der eigenen Person ab, wenn man sich über andere Leute unterhält. Wenn man sich nämlich ernsthaft damit beschäftigen will, wie man sich vor einer Sucht schützen kann, dann braucht man ganz andere Dinge: z.B. Informationen über die Wirkungsweise von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen und was sie im Körper und in der Seele bewirken.
Mit der wichtigste Punkt aber ist, sich selber so gut wie möglich kennenzulernen: was machst du, wenn du Lust auf Abenteuer hast? Was hilft gegen Angst? Wie reagierst du, wenn deine Freunde dich zu etwas überreden wollen, was du eigentlich gar nicht willst? Wie hältst du es aus, wenn du mit einer Meinung allein dastehst?
Wenn du Antworten auf diese Fragen gefunden hast, hast du einen großen Teil Antworten, wie du nicht süchtig wirst. Denn je mehr verschiedene Verhaltensweisen du ausprobierst, wie du in brenzligen Situationen reagieren kannst, desto mehr lernst du über dich und desto mehr weißt du, ob du deiner eigenen Kraft vertrauen kannst. Sucht ist so eine Art "Selbstheilungsversuch". Man hat ein Problem und versucht, mit einem bestimmten Mittel darauf zu reagieren, z.B. mit Ärger mit einem Bier runterzukippen. Je mehr verschiedene Möglichkeiten aber jemand anwenden kann, wie er z.B. mit Ärger umgeht, desto weniger gefährdet ist er, von irgendetwas abhängig zu werden. Frage (Katharina, 17 Jahre alt):
Je länger ich über Drogen nachdenke, um so mehr glaube ich, dass es weniger schlimm ist, wenn man sich für Naturdrogen entscheidet . Die sind doch natürlich und kommen sowieso draußen vor.
Antwort:
Auch wenn es anders zu vermuten wäre: "Ökodrogen" sind leider nicht automatisch "gesünder" als die Designerdrogen. Ich denke dabei z.B. ganz besonders an die Engelstrompete". Schon ein paar Schluck des Suds aus den Pflanzenteilen können zum Tod führen, weil eine Lähmung der Muskulatur einsetzt. Eines der Hauptprobleme bei allen Drogen, auch bei den "Ökodrogen", ist die Dosierung. Man weiß nie genau, wie stark die Zusammensetzung ist und wie sie in diesem Moment auf den Körper wirkt.
Man kann da große Überraschungen erleben. Bei den Pilzen z.B. kommt noch hinzu, dass man schon eine ausgesprochene Pilzkennerin sein muss, um sich in der Szene gesund zu bewegen. Wenn die Pilze zu lange gelagert sind (weiß man bei gekauften Pilzen nie) kann es auch zu Vergiftungserscheinungen kommen. Bei den Designerdrogen hat man natürlich auch das Problem möglichen Verunreinigungen und den Dosierungsschwierigkeiten. Die Hersteller geben keine Garantie.
Alles in einem: Auch wenn manche Drogen direkt aus der Natur kommen: nicht alles was nach "öko" ist, ist auch gesundheitsförderlich. Frage (Gülyan, 14 Jahre):
Wenn ich durch unser Viertel gehe, sehe ich oft so "abgewrackte" Leute. Sie sind schon morgens betrunken, sehen heruntergekommen aus und gammeln vor sich hin. Wieso kann man sie nicht irgendwo hinbringen, wo man ihnen hilft, mit dem Trinken aufzuhören?
Antwort:
Klar wäre es für viele wünschenswert, wenn alle Menschen sich so verhalten würden, dass sie nicht auffallen und in der Gesellschaft "funktionieren". Aber so lange ein Mensch nicht sich selbst oder andere in hohem Maße gefährdet, kann man Menschen nicht gegen ihren erklärten Willen in eine Klinik oder andere Einrichtung bringen.
Jeder Mensch hat das Recht über sein eigenes Leben selber zu entscheiden. Wenn man jemandem helfen will, geht das meistens nur darüber, dass man ihn motiviert, z.B. mit klaren Konsequenzen, die dann natürlich auch eingehalten werden müssen. Für die Leute auf der Straße trifft das oftmals nur bedingt zu, weil sie wenig zu verlieren zu haben. Man kann nur versuchen, durch z.B. aufsuchende Sozialarbeit ihnen Hilfsangebote zu unterbreiten. Annehmen müssen sie die aber selber.
Ein anderer Punkt ist es, wenn jemand wirklich gefährlich wird, z.B. wenn er akut selbstmordgefährdet ist oder andere bedroht. Dann kann man Menschen gegen ihren Willen unterbringen, aber auch nur dann. Frage (Bernd, 18 Jahre):
In der Schule haben wir den Film "Christiane F.- Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gesehen. Irgendwie kann ich seit dieser Zeit die Stimmung in dem Film nicht mehr vergessen. Ich fand das ganze sehr faszinierend und cool und würde einiges dafür geben, auch einmal zu spüren, wie es ist, ein solches Leben zu führen... Bin ich jetzt drogengefährdet?
Antwort:
Das ist das Bedenkliche an solchen Filmen: Die Betrachter haben das Gefühl, dass die Leute in den Filmen die wirklich interessanten Dinge des Lebens kennenlernen: Nervenkitzel, etwas Verbotenes tun, jemand Besonderes sein, der hart am limit lebt ohne Rücksicht auf Verluste. Die Sogwirkung, die das haben kann, hast du gut beschrieben. Und da jeder weiß, dass Christiane F. das alles überlebt hat, scheint sie das bessere Leben zu führen. Das eigene erscheint vielen im Vergleich dazu als banal, ereignislos und langweilig.
Ich glaube nicht, dass du drogengefährdet bist, Bernd. Du weißt, was du willst: du willst ein buntes und ein ganz besonderes Leben führen, das dich von anderen unterscheidet. Du willst das Leben fühlen und es in allen Schattierungen kennenlernen. Das ist gut so! Und wenn du clever bist, betäubst du dich nicht, sondern stellst dich dem Leben im nüchternen Zustand. Den wichtigen Menschen, also denen, die einem nahe sind oder von denen man etwas will, zu sagen, was man meint und fühlt, sich für das Einzusetzen, woran das Herz hängt, Zivilcourage zeigen, auch wenn es den ganzen Mut kostet: glaub mir, dabei kann man das Leben schon sehr intensiv fühlen! Und du erlebst dich selbst und andere in einem neuen Licht und mit sehr viel Adrenalin im Blut. Frage (Rolf, 17 Jahre):
Freunde haben mir von "Angel Dust" erzählt. Was ist das eigentlich? Es soll unheimlich gefährlich sein."
Antwort:
Der Stoff gehört zu den Designerdrogen. Wie Architekten entwerfen Hersteller immer neue Produkte, die sie immer mal wieder verändern. "Angel Dust" ist ein Amphetamin, deren Stammsubstanz 1926 synthetisiert wurde und seit 1967 in den USA auf dem illegalen Drogenmarkt in Erscheinung trat. Seit über 20 Jahren ist die Herstellung verboten, aber es wird für den illegalen Markt abgewandelt und verkauft.
Mehr als 80 Abwandlungen, die u.a. auch "Magic Dust" oder Elephant Tranquilizer" genannt werden sind bekannt. Konsumiert wird "Angel Dust" in Form von Kapseln, Pulver oder Tabletten. Kleine Mengen (1-5mg) führen zu Euphorie und Enthemmung, was aber schnell auch in Depressionen umschlagen kann.
10 bis 20 mg können beispielsweise zu Halluzinationen und zu Phasen von Verfolgungswahn führen. Ab ca. 20 mg schließlich werden tagelanges konfuses Verhalten oder der Fall ins Koma bei den Konsumenten beobachtet. Wer über einen längeren Zeitraum "Angel Dust" konsumiert, kann Gefühle einer endlosen Leere und aggressivem Verhalten erleben. Es gibt auch Fälle, in denen es unter der Wirkung von "Angel Dust" zu (Selbst)tötungsdelikten gekommen ist. Deine Freunde haben also völlig: es ist ein gefährliches Zeug, dessen Wirkung man vorher auch nicht abschätzen kann, da jeder Hersteller" nach Gutdünken mischt. Auch die Grammangaben sind deshalb mit großer Vorsicht zu genießen! Verlass ist darauf nicht! Frage (Rüdiger, 15 Jahre):
Ich würde gern mal wissen, welche Droge eigentlich die schlimmste von allen ist."
Antwort:
Ich bin der Auffassung: Die schlimmste Droge ist immer die, von der man selber abhängig ist! Alle anderen Drogen und Suchtmittel sind in dem Moment ohne Bedeutung und spielen für dein Leben keine Rolle. Im Einzelfall kann das jedes Suchtmittel sein von Zigaretten über Alkohol bis hin zu Heroin oder Spielautomaten. Die "schlimmste Droge" kann man auch nicht an ihren Kosten an Geld oder Gesundheitsschäden festmachen. Jede Sucht kostet Gesundheit.
Eine Suchterkrankung ist , wie schon der Name sagt, eine Krankheit. Und jeder kennt das von sich selbst: die schlimmste Krankheit ist immer die, die man selber hat. Alle anderen sind irgendwie bedauerlich, aber lösen kein eigenes Gefühl aus. Man spürt sie nicht.
Es kann schockierend aber auch heilsam sein, wenn man merkt, man ist der Gier dem Suchtmittel gegenüber machtlos. Man hat die Kontrolle über sich verloren hat. Manche nehmen sich vor, aufzuhören und merken plötzlich, dass es nicht auf "Befehl" geht. Das gilt für Nikotin genauso wie für Alkohol oder Glückspielautomaten. Wovon andere Menschen dann gerade abhängig sind oder nicht, ist dann für den Betreffenden egal. Frage (Doris, 14 Jahre):
Wer denkt sich eigentlich die ganzen Namen für die Drogen aus?
Antwort:
Das ist eine gute Frage! Beim Haschisch ist es z.B. so, dass die Herkunft des Cannabis auch im Namen widerzufinden ist. "Acapulco Gold" heißt, das Marihuana kommt aus Mexiko. ""Nepalese" ist Haschisch, das aus dem Hochland Nepals stammt. "Bremer Gerichtsrat" ist der Name für eine Hanfsorte, die in der Umgebung von Bremen gezüchtet wurde (unerlaubter Weise natürlich). Die Namen von den Designerdrogen, wie bei den Amphetaminen, können von Stadt zu Stadt wechseln. Die Pillen, die in Ludwigshafen "Blue Angel" genannt werden, haben in Kaiserslautern oder Landau ganz andere Namen. Das hängt dann auch von den Leuten ab, die mit ihnen handeln. Frage (Frank, 14 Jahre):
In der letzten Bio-Stunde hat unser Lehrer gesagt, die Endorphine, die beim Sport wie Marathon ausgeschüttet werden, wirken wie Drogen. Deshalb würden manche auch einen doppelten oder dreifachen oder noch größeren Marathon durchhalten und seien richtig süchtig nach so was. Hat das jeder? Bei mir passiert nämlich nichts, obwohl ich über 14 km durch den Wald gerannt bin. Oder muß ich da länger üben? Sind Endorphine gefährlich?
Antwort:
Dein Experiment gefällt mir! Und du hast eine interessante Erfahrung gemacht: Jeder Körper hat seine eigenen Regeln und reagiert nicht automatisch auf Befehl.
Unser Körper hat die Fähigkeit, eigene Drogen zu produzieren, die je nach Situation und Gefühlslage ausgeschüttet werden. Das Endorphin ist eine davon und steht gerade bei Ausdauersportlern im Ruf, high zu machen. Seine Hauptwirkung ist es aber, Schmerzen zu lindern, die z.B. bei extremen Belastungen entstehen. Die Ausschüttung von Endorphin ist aber nicht bewußt steuerbar. Im Gegenteil, sie ist abhängig vom Trainingszustand und der Intensität des Trainings. Je intensiver trainiert wird und je besser der Trainingszustand ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Ausschüttung in spürbarem Maß.
Es gibt einige Sportler, die behaupten, sie seien süchtig danach. Und das ist gar nicht so falsch, schließlich hat die Weltgesundheitsorganisation die Sportsucht seit ein paar Jahren als offizielles Krankheitsbild deklariert. Und für die Sportsucht gilt wie für andere Süchte auch, dass es einsam machen kann, dass andere Interessen in den Hintergrund treten und bei übermäßigen "Genuss" zu körperlichen Schäden führen können. Wie du siehst, sind Endorphine an sich zwar kein Gift, aber sie sind in der Wirkung durchaus mit Drogen vergleichbar. Die Geschichte der "gesunden" Sucht ist eine Legende. Frage (Simone, 14 Jahre):
Letztes mal hast du über diese Tiereperimente geschrieben und dass Leute versuchen, die Tiere süchtig zu machen. Das finde ich voll gemein! Welchen Sinn soll das machen? Davon hat doch keiner etwas was! Die Leute, die ihren Haustieren Alkohol geben oder wie in der Frage letzte Woche Abgase einatmen lassen, die kann ich auch nicht begreifen. Da bin ich genauso wütend wie du! Vielleicht tun sie das aus Jux, aber in Wirklichkeit ist es pure Tierquälerei!
Antwort:
Die Wissenschaftler, die Tierversuche machen, sagen, dass sie für die Heilung der Menschen Forschung betreiben. Einige von ihnen glauben, dass man nur einfach verstehen muss, wie z.B. Alkohol den Körper verändert: ob sich die Gene oder bestimmte Abläufe und Schaltstellen im Gehirn wandeln.
Ihr Ziel ist es, Medikamente herzustellen, die eine Suchtkrankheit beim Menschen heilt. Alle Leute könnten dann so viel Alkohol trinken, kiffen oder Heroin spritzen wie sie wollen. Sie würden nicht mehr süchtig. Eine Pille danach oder davor und es gebe keine Risiken. Diese Wissenschaftler beachten nicht, dass alle Rauschmittel auch Gifte sind und den Körper von innen schädigen. Und die Wissenschaftler ignorieren leider auch, dass Menschen Gründe haben, weshalb sie nicht nüchtern sein wollen, unbedingt einen Rausch erleben und abtauchen möchten und dass all dies keine Probleme löst. Diese Gründe spielen für diese Forschung keine Rolle. Zum Glück gibt es auch Leute, die meinen, man sollte eher erforschen, wie Menschen gesund bleiben und sich ihre Freude am Leben erhalten können. Wenn jedoch sehr viele Menschen eher an Medikamente glauben als den Nutzen, gesund zu leben und ihren Stärken zu vertrauen, ist auch die Forschung auf dem gleichen Tripp. Und dorthin wandern auch Forschungsgelder. Frage (Jeanette, 18 Jahre):
Ich möchte mal wissen, was mit einem passiert, wenn man unterschiedliche Drogen gleichzeitig nimmt?
Antwort:
Du stellst eine Frage nach dem Mischkonsum, der riskanterweise häufig praktiziert wird. Was dann im einzelnen geschieht, hängt in erster Linie von der Art der Kombination der Drogen ab. "Beliebt" ist die Kombination Ecstasy und Cannabis, um nach der aufdrehenden Wirkung des XTC wieder herunterzukommen und sich zu beruhigen.
Diese Wirkung kann aber auch ins Gegenteil umschlagen, d.h. das Herz rast oder man hängt dermaßen durch, dass man schnell wieder eine XTC oder Speed einwirft, um die schlechte Stimmung loszuwerden.
Eine Mischung aus XTC und Kokain wirkt sehr aufputschend. Schlaf- und Beruhigungsmittel in Verbindung mit Alkohol verstärken sich gegenseitig und wirken sehr stark dämpfend! Vorsicht: manche wachen danach nicht mehr auf. Bei Cannabis und Kokain z.B. kann alles mögliche passieren. Die Reaktion ist nur schwer vorhersehbar.
Grundsätzlich ist Mischkonsum immer besonders risikoreich! Eine berechenbare Wirkung gibt es dabei nicht. Im übrigen gilt: Alkohol ist der große Bruder von vielen Drogen. Mit ihm beginnen sehr viele Rückfälle in den Konsum auch anderer Suchtmittel. Frage (Axel, 16 Jahre):
Wir haben eine Klassenfahrt nach England letztens gemacht. Dort wurde mir "green triangle" angeboten. Kannst du mir sagen, was das genau ist?
Antwort:
Das sind Pillen, die in hoher Konzentration den Wirkstoff Dextromethorphan (DXM) enthalten, der auch in Hustensaft vorkommt. Wenn du eine dieser Pillen schluckst, ist das so, als würdest eine ganze Flasche Hustensirup auf ein Mal trinken. DXM ist kein Ecstasy, ist aber extrem gefährlich in Verbindung mit Ecstasy, weil sich beide Substanzen in der Wirkung miteinander potenzieren!
Beide werden über durch das gleiche Enzym der Leber abgebaut und dadurch kann es zu einem körperlichen Zusammenbruch kommen. Es hat dabei bereits in England einige Todesfälle gegeben. DXM allein verursacht meistens starke Wahrnehmungsstörungen, Schwindel und Hautjucken. Erstmalig aufgetaucht ist "Grüne Triangel" übrigens in den USA und in England vor etwa 2 Jahren. Frage (Henri, 16 Jahre):
Unser Lehrer hat gesagt, es gebe Junkies, die als Chef in einer Bank arbeiten. Wie kann das denn sein? Wenn die sich zuballern, dann können die doch gar nicht arbeiten.
Antwort:
Als Junkie bezeichnet man nicht mehr nur Heroinabhängige, sondern auch andere Leute, z.B. Infojunkies, die es nicht lassen können, dauernd ihre mails und mailbox abzurufen.
Klar, unter Junkies stellen sich die meisten Leute abgerissene und ziemlich kaputte Typen vor, die man 5 Meilen gegen den Wind erkennt. Das ist aber ein echter Trugschluss. Es gibt auch unter den Heroinkonsumenten Leute, die regelmäßig drücken, aber erst mal nicht weiter auffallen. Sie "ballern sich nicht zu", sondern nehmen gerade so viel Heroin, dass keine Entzugserscheinungen auftreten. So funktionieren die Leute auch im Alltag weiter, gehen arbeiten, leiten Besprechungen, fahren Auto und führen ein äußerlich unauffälliges Leben. Bekannter ist das Phänomen bei den sog. Spiegeltrinkern, die ja ihren Alkohol z.B. gern im Schreibtisch im Büro verstecken. Auch sie brauchen immer einen bestimmten Level an Stoff, um funktionieren zu können.
Menschen sortieren andere Menschen gern in Schubladen ein. Banker sind tough und straight, Alkoholiker bemitleiden sich selbst, Junkies sind dreckig und zerrissen, etc. Dieses Schwarz-weiß-Denken ist aber nicht die Wirklichkeit. Es gibt Menschen, die leben gleichzeitig in sehr verschiedenen Welten und lassen sich einfach nicht in Schubladen stecken. Ein Mensch ist eben mehr als man von ihm sehen kann. Und Sucht hat so viele Facetten wie das Leben selbst. Frage (Iris, 17 Jahre):
Seitdem ein Kollege meinen Freund in eine Spielhalle mitgenommen hat, geht er eigentlich jeden Tag hin. Er ist sich sicher, dass er das System knacken kann! Irgendwie hat er wohl eine Pechsträhne gekriegt, jedenfalls will er sich auf einmal Geld von mir leihen und andere Leute hat er auch schon angepumpt. Irgendwie ist mir das ganze nicht geheuer.
Antwort:
Deinen Freund hat offensichtlich das "Glücksspielfieber" gepackt! Es gibt ein paar Dinge auf die man unbedingt achten sollte, denn Glücksspiel kann süchtig machen ohne es sofort zu merken: Verspiele ich mehr Geld als ich will? Ärgere ich mich nach dem Spielen? Mache ich Schulden oder verkaufe ich Sachen von mir um weiterzuspielen? Gehe ich lieber in die Spielhalle als mich mit anderen Leuten zu treffen oder um Frust, Langeweile oder Kummer zu vertreiben? Habe ich mir schon mal vorgenommen, aufzuhören, aber es dann doch nicht durchgehalten? Ist die Spielhalle mein zweites Zuhause? Kann ich nachts manchmal nicht schlafen, weil ich überlege wo ich noch Geld auftreiben könnte oder wie ich das Programm endlich überliste?
Wie du siehst, treffen einige dieser Fragen auf deinen Freund zu, er ist also gefährdet, spielsüchtig zu werden. Dein Gefühl, dass da irgend etwas verrutscht, ist richtig! Dein Freund braucht Hilfe, denn er hat sich schon in Abhängigkeiten gebracht und ist dabei sich weiter zu verstricken. Auf keinen Fall solltest du ihm Geld leihen, es würde seine Spielleidenschaft nur unterstützen! Von allen Suchtkranken haben die Spielsüchtigen die höchste Verschuldensrate. Schau im Telefonbuch nach einer Beratungsstelle und versuch deinen Freund zu motivieren dorthin zu gehen. Falls er das nicht will: geh allein hin und laß dich beraten, wie du ihm am besten helfen kannst. Frage (Stefan, 15 Jahre):
Bald ist wieder Pilzzeit: Meine Freunde und ich wollen mal Fliegenpilze probieren. Was halten Sie davon?
Antwort:
Nichts! Obwohl ich Fliegenpilze noch nie probiert habe und auch nicht vorhabe, diesbezügliche Erfahrungen zu machen. Alles, was ich über den Konsum von Fliegenpilzen gehört oder gelesen habe, schreckt mich ab. Nicht nur, dass die meisten Menschen Fliegenpilze im Magen sehr schlecht vertragen, sondern auch wegen der anderen, sehr unangenehmen Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gangunsicherheit und Muskelzucken. Auch wurde mir glaubhaft versichert, dass der Konsum von Fliegenpilzen zu sehr unangenehmen Erregungszuständen führt, verbunden mit starker Angst. Positive Erlebnisse hat mir keine meiner Informanten geschildert! In der Fachliteratur wird beschrieben, dass es nach dem Genuss von Fliegenpilzen zu euphorischen Gefühlen kommen kann. Der Wirkstoff ist wohl die Ibotonsäure und Muscimol. Da wir als Laien jedoch nie wissen, welche Wirkungsweise der einzelne gefundene Fliegenpilz hat, kann ich dir und deinen Freunden von Experimenten damit nur intensiv abraten. Frage (Nick, 17 Jahre):
Dieses ganze Gelaber über "süchtig machen" nervt mich völlig ab. Wenn man das Ganze genau nimmt, sind wir doch alle süchtig! Ob nach Fernsehen, Essen, Dope, PC und mit Sicherheit viele (und vor allem) Spießer nach Arbeit usw. Dann sind wir eben alle Junkies und dauerhaft drauf. Was ist denn schlimmer: mal `ne Tüte rauchen oder 10 Stunden pro Tag am PC rumhängen?
Antwort:
Du hast 100 % ins Schwarze getroffen! Es ist definitiv so, dass Menschen Verhalten unterschiedlich bewerten, auch wenn es ähnliche Hintergründe hat: Die, die zuviel essen, werden niedergemacht, weil man ihnen das Essen sofort ansieht. Die, die rauchen, werden angefeindet, weil sie nach Tabak stinken! Die, die illegale Sachen konsumieren, werden als kriminell hingestellt. Im Gegensatz dazu werden alle, die nur noch über ihre Arbeit leben, "über den Klee gelobt", weil sie ja soo fleissig und wertvoll sind! Die, die Stunden am PC verbringen, sind die tollen IT-Spezialisten, die immer up to date sind. Womit du sehr recht hast: jeder Mensch hat etwas, mit dem er sich ablenkt, das ihn abtauchen oder antreiben läßt. Und es ist auch so, dass die Bevölkerung das forciert, weil es ja immer um Fortschritt geht, jeder zu funktionieren hat und bloß keiner schlapp machen darf. Diese Spirale hat Suchtcharakter. Ich finde es klasse, wenn jemand es so durchschaut wie du es tust. Man kann die verschiedenen Süchte nicht gegeneinander aufwiegen oder miteinander vergleichen, auch wenn die Menschen es gern tun. Du selbst solltest dir die Frage stellen, warum du Haschisch konsumierst. Läufst du damit einfach einem bestimmten Trend hinterher oder brauchst du es, um schlechte Gefühle zu verdrängen? Wer wirklich schlau ist, durchschaut nicht nur andere, sondern auch sich selbst. |